Career Service-Spam an der TU Chemnitz!

Career Service Spam

An der Chemnitzer Technischen Universität Plakatwerbung für eine Veranstaltung zu machen, wird – seitdem es den Career Service gibt – immer schwieriger. Beispielhaft dafür ist die Pinnwand der Campusbibliothek I im Pegasus-Center. Insgesamt tummeln sich dort 8 Poster, die auf Initiative des Career Service` aufgehangen worden sind. Ähnliche, mit Karriere-/Praktikums-/Arbeitsangeboten zugehangene, Schwarze Bretter präsentierten sich auch an anderen Stellen der TU, als wir neulich für unsere Vortragsveranstaltung mit der Neuköllner Initiative „Zusammen! Gegen das Jobcenter“ plakatiert hatten.

Dieses scheinbare Überangebot an Karriere-Möglichkeiten steht in krassem Widerspruch zu dem Umstand, dass ein Großteil der Uniabsolventen im Verlauf ihres weiteren Lebens Erfahrungen mit dem Jobcenter sammeln werden wird. Nicht wenige stolpern in dieses Regime dann unvermittelt und naiv hinein.

Wenn schon kaum genügend andere interessante Veranstaltungen auf den Pinnwänden der Universität angepriesen werden bzw. hier vor Ort stattfinden, die die Career Service-Angebote ihrer Wichtigtuerei berauben könnten, indem sie einfach über- oder abgehangen werden, so möchten wir wenigstens ein – wenn auch winziges – Zeichen dagegen gesetzt haben.

Career Service und Jobcenter ähneln sich in der Hinsicht, dass hier wie dort Selbstoptimierung und Selbstausbeutung zur Selbstverständlichkeit werden soll bzw. zur Bedingung gemacht wird. Das bei beiden dahinter liegende Konzept des Arbeitskraftunternehmers bzw. des arbeitenden „Kunden“ muss hinterfragt werden. Alles andere wäre dumme, vorauseilende Anpassung an die Umstände. Um dafür die Möglichkeit offen zu halten, bieten wir Erfahrungsaustausch und Beratung in Sachen Probleme mit dem Jobcenter und Arbeitslosigkeit an. Darüber hinaus könnte dann mehr entstehen…

Vortrag und Diskussion – Die Militante Untersuchung am Jobcenter Berlin-Neukölln. Am 20. November!

ZusammenDagegen Plakatierung

Zusammen! gegen das Jobcenter.
Vortrag und Diskussion über die Militante Untersuchung
am Jobcenter Berlin-Neukölln,
mit zwei Vertretern der Gruppe FelS (Für eine linke Strömung)/Berlin.

Am Jobcenter Neukölln kommen die Leute zusammen: alte und junge, Leute mit Doktortitel und ohne Hauptschulabschluss, hier aufgewachsene und neu hinzugezogene. Das Jobcenter ist der größte Brötchengeber in Neukölln, der Ort an den alle kommen. Durch die Massenerwerbslosigkeit werden alle irgendwie gleichgemacht, und doch als einzelner „Fall“, scheinbar völlig individualisiert behandelt. An der Rückseite einer Einkaufspassage im Zentrum des Stadtteils untergebracht, verfügt das Jobcenter offiziell über 750 Beschäftigte.
Allerdings beschäftigt es in gewisser Weise auch die 80.000 Menschen, die über das Jobcenter ihr Einkommen beziehen; in einem Bezirk mit 310.000 Einwohner_innen. Dazu kommen die, die selbst erwerbslos waren oder es bald sein werden, Erwerbslose im Freundeskreis und der Familie, der kleine Laden um die Ecke, der nur durch Hartz_IV Aufstockung überleben kann usw. Das Jobcenter muss eine immense Bedeutung in diesem Bezirk haben, eine ziemliche Macht. Für unsere Einkommen hier entspricht es der Bedeutung, die VW in Wolfsburg oder FIAT in Turin haben, oder zumindest mal hatten. Dieses Jobcenter erscheint wie eine seltsame Art derzeitiger Fabriken, als der Ort, an den wir hingehen müssen, um Geld zu kriegen und als der Ort, durch den wir diszipliniert, überwacht, organisiert und
verwaltet werden.

Wir haben angefangen mit vielen Menschen darüber zu reden, was das Jobcenter mit uns macht und wie wir das ändern können. Zum Jobcenter müssen wir einzeln, aber unsere Rechte können wir nur gemeinsam durchsetzen. Es ist genug für alle da! Zusammen gegen das Jobcenter Neukölln. (Auszug aus der Studie, S. 33)

Dienstag, 20.11.2012, 19 Uhr
Kompott, Leipziger Str. 3, 09113 Chemnitz

(Foto via flickr)

Sanktionen! Sanktionen! Sanktionen! Eine kleine Handreichung zum selbstbewussten Umgang mit dem Jobcenter (Teil 2)

1. Unvereinbarkeit mit den Grundrechten?

Im Jahr 2011 hat die Bundesagentur für Arbeit so viele Sanktionen verhängt wie noch nie zuvor. Nämlich 912.377 Sanktionen. Bei der Bild-Zeitung hört sich diese nüchterne Zahl dann so an: „Hartz IV Sauerei – Noch nie wurden so viele Drückeberger erwischt“ (Quelle: Bild-Zeitung vom 11.04.2012).

Ein ziemlicher Skandal also! Der eigentliche Skandal ist jedoch nicht die Anzahl der verhängten Sanktionen, sondern die Tatsache, dass der Staat überhaupt zu solchen Mitteln greift. Denn bei ALG II handelt es sich um das soziokulturelle Existenzminimum, dies hat das Bundesverfassungsgericht so festgestellt und auch einen grundrechtlichen Anspruch hierauf hergeleitet (Az: BvL 1/09). Dem Wortsinn nach kann ein Existenzminimum nicht unterschritten werden, jedenfalls nicht ohne in menschenunwürdige Zustände zurückzufallen. Trotzdem haben die Behörden im letzten Jahr in 912.377 Fällen Menschen genau dies zugemutet . Und das obwohl der Staat nach dem Grundgesetz ein Sozialstaat ist, obwohl die Menschenwürde nach Art. 1 I GG unantastbar ist und obwohl nach Art. 12 II GG Zwangsarbeit verboten ist. Das ist der eigentliche Skandal!

Zufällig kommt die Anzahl der Sanktionen dabei nicht zu Stande. In den Jobcentern gibt es verschiedene Abteilungen. Neben der Leistungsabteilung, der Vermittlungsabteilung und der Widerspruchsabteilung gibt es auch die Sanktionsabteilung. Die Sanktionsabteilung bekommt Zielvorgaben wie viele Sanktionen pro Monat zu erreichen sind. Für Quoten-Unterschreitungen müssen sich die einzelnen Teams und Mitarbeiter_innen rechtfertigen.

2. Wie sich nun dagegen wehren?
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Vortragsreihe zur Kritik der Arbeit

Dienstag, 01.05.2012 13:00 Uhr, Springbrunnen am Roten Turm, Chemnitz
Arbeitsbefreiungsmaßnahmen und Sahnetörtchen (Aktionen zum 1.Mai)
http://www.rosalux.de/event/45789/arbeitsbefreiungsmassnahmen-und-sahnetoertchen.html

Mittwoch, 02.05.2012 20:00 Uhr, Lokomov, Augustusburger Straße 102, Chemnitz
Die Arbeitsgruppe Arbeit auf der Suche nach dem symbolischen Kapital (klick!)

Donnerstag, 03.05.2012 20:00 Uhr, Lokomov, Chemnitz
Eine Schaarschmidt-Lesung. Satirische Kolumnen zur Arbeitskritik (Lesung / Gespräch)

Freitag, 04.05.2012 20:00 Uhr, Lokomov, Chemnitz
Dann lieber gleich arbeiten. Vom Kokon, der sich Freiheit nennt. Über Motivation, Ziele und Lebensläufe (Diskussion / Vortrag)

Montag, 07.05.2012 20:00 Uhr, Lokomov, Chemnitz
Einstweilen wird es Mittag

Dienstag, 08.05.2012 20:00 Uhr, Lokomov, Chemnitz
Viereckige Augen. Kurzfilmprogramm zum Wandel der Arbeit (Film & Diskussion)

Das erste Mal beim Amt – Eine kleine Handreichung zum selbstbewussten Umgang mit dem Jobcenter (Teil 1)

Der erste Termin beim Jobcenter – das ist nicht unbedingt eine Verabredung, die zu freudigen Luftsprüngen verleitet. Es ist vielmehr ein Termin, auf den du dich gut vorbereiten solltest. Ansonsten hast du danach vielleicht schon die erste Maßnahme an der Backe und noch kein Geld in der Tasche.

Was gibt es nun zu beachten?
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